
Flugbericht -
Stampe SV4 D-EBSH, Flugplatzfest Oeventrop September
2007 von Johannes Kleine
Der
Wetterbericht für das Wochenende sah gut aus.Wie
passend, dass ich noch nichts weiter vor und die
Akkus der Digicam frisch geladen hatte.Denn im nahen
Oeventrop lud der dortige Segelflugverein zum Flugplatzfest.
Den Werbepos-tern und den Infos im Internet zufolge
schien es ein kleines, gemütliches Vereinsfest
zu werden. Sicher ohne große Action, dafür
in heimeliger Atmosphäre und, wie erwähnt,
bei tollem Wetter.
Also machte ich mich am Nachmittag
auf den Weg. Eigentlich nur mit dem Ziel, einige
Photos von An-2, Pitts, Segelkunstflug und dem bunten
Treiben am Flugplatz zu machen. Dort angekommen
fiel sofort auf, dass schon eine ganze Reihe von
Menschen das Kaffee-trinken am Sonntagnachmittag
offensichtlich an den Flugplatz verlegt hatten:
Es war gut voll. An der "Flightline" tummelten
sich mehrere General Aviation Flieger, Motorsegler
und eine Robinson R 22 drehte mit Gästen an
Bord ihre Runden über dem Arnsberger Wald und
dem Ruhrtal. Ebenso eine Antonov An-2, (D-FAIR)
der Classic Wings. Per F-Schlepp in die Luft gezogen
vollführte anschließend ein Segelflugzeug
Kunstflug, zur besseren Verdeutlichung mit Rauchpatronen
ausgerüstet. Bzw. mit einer Rauchpatrone, weil
nur an einer Fläche etwas zu sehen war.
Etwas
abseits der Bratwurstbude und dem Zelt, wo Tickets
gekauft werden konnten, aber auch gerade am Anfang
des Weges, auf welchem die Besucher den Platz erreichen,
stand eine Stampe SV4 des Acroteams aus Meschede.
Da mein Herz bei solchen Fliegern generell etwas
unruhiger, weil aufgeregt, schlägt, habe ich
sie natürlich ganz besonders mit der Kamera
auf´s Korn genommen.Dann kam mir der Gedanke:
"Du wolltest doch schon immer mal... ."
Und so ging ich nach kurzem, aber intensivem, Gedankenaustausch
mit mir selbst in Richtung des Ticketzeltes um die
Möglichkeit eines Rundfluges mit der Schönheit
zu klären. Der Preis war schnell erfragt (und
sehr human!), die Frage nach dem grundsätzlichen
"ob" am Ende auch positiv entschieden.
Und
so wurde ich von einem Vereinsmitglied "an
die Hand genommen" und zum Piloten geführt.
Im selben Augenblick fanden noch einige Vorführungen
von Modellfliegern statt, so dass wir bis zu unserem
Start genügend Zeit hatten, uns in Ruhe bekannt
zu machen. Auch für das Anlegen des Fallschirmes,
mir als Segelflieger gut bekannt, sowie das Einsteigen
verliefen ruhig und ohne Hektik. Erst einmal im
Flugzeug, mit Lederhaube und Funk ausgestattet kehrte
ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit bei mir
ein. 
Anfängliche Gedanken, ob der Spaß
das Geld wert wäre verflogen sofort, als nach
5-6 mal durchdrehen des Propellers von Hand der
Motor der elektrischen Zündung gehorchte und
ansprang. Wir rollten zum Haltepunkt, zwei weiteren
Flugzeugen hinterher, die ebenfalls zu Rundflügen
starten wollten. Dann kam der Start! Ruhiger, als
ich es wegen der augenscheinlich unebenen Piste
angenommen hatte, rollten und beschleunigten wir
auf dem Gras. Nach dem Abheben und in etwa 40 m
Höhe ging der Pilot direkt in einen Messerflug
über
das erste Highlight dieses Fluges!
Wir waren immerhin über die Lautsprecheranlage
angekündigt worden, wie ich später erfuhr.
Erstaunt war ich, wie komfortabel und gemütlich
es in der offenen Kabine ist. Kein störender
Fahrtwind oder ohrenbetäubender Lärm.
Wie zuvor mit dem Piloten abgesprochen drehten wir
dann in Richtung Nordosten ein, um meine derzeitige
Heimatstadt, ein schnuckeliges Bergdörfchen,
aus der Vogelperspektive zu erkunden.
Aus
dieser überhöhten Ansicht waren unterwegs
auch die vielen Lücken, welche "Kyrill"
im Januar gerissen hatte, zu erkennen.Doch meine
eigentliche Wahrnehmung galt fast gänzlich
dem Genuss dieses Fluges.Sitzgefühl, der Geruch
nach Öl, laufendem Motor und frischer Luft
vermengten sich zu einem unschlagbaren Aroma. Die
geschätzten 5 min bis zu "meinem"
Dörfchen waren schnell verflogen, und so umrundeten
wir es 3mal. Auf dem Rückweg fragte ich vorsichtig
nach, ob denn wohl eine Rolle drin wäre, auch
wenn ich nur "normal" gebucht hätte.Kein
Problem hieß es, ich solle nur meine Kamera
gut festhalten und die Schultergurte nachziehen.
Beides war schnell erledigt, und so gingen wir anschließend
in einen forschen Sinkflug über, um Fahrt aufzubauen.
Dann
folgte ein Steigflug mit etwa 30° und einer
gefühlvollen, aber zügig geflogenen Rolle
im Uhrzeigersinn. Schon dieses Manöver jagte
Unmengen von Glückshormonen durch mei-nen Körper.
Der Pilot schien dies mitbekommen zu haben und meinte
nochmals, ich solle meine Kamera gut festhalten.Anschließend
flogen wir zwei Loopings, eine kubanische Acht,
weitere zwei Rollen und ei-nen Turn. Weil es mir
schwerfällt, die Eindrücke in epischer
Breite treffend zu formulieren hier in aller Kürze:
Schwerelosigkeit! Atemberaubend schön! Tief
empfundene Freude! Der Wald, erst unter einem, dann
verjagt vom Blau des Septemberhimmels und anschließend
wieder vom satten Grün der Bäume verdrängt
für
mich war Weihnachten, Ostern und Geburtstag gleichzeitig.
Mit
fortschreitender Flugzeit kamen wir allerdings auch
der Landung immer näher. Vom langen Endanflug
aus war der Flugplatz, noch etwas in Rauch einer
vorangegangen Vorführung gehüllt, zu erkennen.Völlig
sanft und gemächlich schwebten wir ein. Der
Kontakt mit der Erde kam dann butter-weich - ganz
einfach eine perfekte Landung. Wir rollten weiter
bis zur Parkposition, verfolgt von den Blicken der
Zuschauer der Veranstaltung.
Ob es nun an dem Flugzeug lag oder
weil ich so ein fettes Grinsen im Gesicht hatte,
kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls stellte dieser
Rundflug die Verwirklichung eines seit etwa 8 Jahren
vernachlässigten Wunsches dar.
Die Viertelstunde ging viel zu schnell
zu Ende, so dass ich fast sicher bin, dass es nicht
der letzte (Mit-)Flug gewesen ist. Und weitere Träume
warten auch noch auf ihre Erfüllung. Der Mitflug
in einer T-6 zum Beispiel wäre einer davon
:-)
(Alle
Fotos von Johannes Kleine)
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