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Airshows 2006

Flugbericht - Stampe SV4 D-EBSH, Flugplatzfest Oeventrop September 2007 von Johannes Kleine


Der Wetterbericht für das Wochenende sah gut aus.Wie passend, dass ich noch nichts weiter vor und die Akkus der Digicam frisch geladen hatte.Denn im nahen Oeventrop lud der dortige Segelflugverein zum Flugplatzfest. Den Werbepos-tern und den Infos im Internet zufolge schien es ein kleines, gemütliches Vereinsfest zu werden. Sicher ohne große Action, dafür in heimeliger Atmosphäre und, wie erwähnt, bei tollem Wetter.

Also machte ich mich am Nachmittag auf den Weg. Eigentlich nur mit dem Ziel, einige Photos von An-2, Pitts, Segelkunstflug und dem bunten Treiben am Flugplatz zu machen. Dort angekommen fiel sofort auf, dass schon eine ganze Reihe von Menschen das Kaffee-trinken am Sonntagnachmittag offensichtlich an den Flugplatz verlegt hatten: Es war gut voll. An der "Flightline" tummelten sich mehrere General Aviation Flieger, Motorsegler und eine Robinson R 22 drehte mit Gästen an Bord ihre Runden über dem Arnsberger Wald und dem Ruhrtal. Ebenso eine Antonov An-2, (D-FAIR) der Classic Wings. Per F-Schlepp in die Luft gezogen vollführte anschließend ein Segelflugzeug Kunstflug, zur besseren Verdeutlichung mit Rauchpatronen ausgerüstet. Bzw. mit einer Rauchpatrone, weil nur an einer Fläche etwas zu sehen war.

Etwas abseits der Bratwurstbude und dem Zelt, wo Tickets gekauft werden konnten, aber auch gerade am Anfang des Weges, auf welchem die Besucher den Platz erreichen, stand eine Stampe SV4 des Acroteams aus Meschede. Da mein Herz bei solchen Fliegern generell etwas unruhiger, weil aufgeregt, schlägt, habe ich sie natürlich ganz besonders mit der Kamera auf´s Korn genommen.Dann kam mir der Gedanke: "Du wolltest doch schon immer mal... ." Und so ging ich nach kurzem, aber intensivem, Gedankenaustausch mit mir selbst in Richtung des Ticketzeltes um die Möglichkeit eines Rundfluges mit der Schönheit zu klären. Der Preis war schnell erfragt (und sehr human!), die Frage nach dem grundsätzlichen "ob" am Ende auch positiv entschieden.

Und so wurde ich von einem Vereinsmitglied "an die Hand genommen" und zum Piloten geführt. Im selben Augenblick fanden noch einige Vorführungen von Modellfliegern statt, so dass wir bis zu unserem Start genügend Zeit hatten, uns in Ruhe bekannt zu machen. Auch für das Anlegen des Fallschirmes, mir als Segelflieger gut bekannt, sowie das Einsteigen verliefen ruhig und ohne Hektik. Erst einmal im Flugzeug, mit Lederhaube und Funk ausgestattet kehrte ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit bei mir ein.
Anfängliche Gedanken, ob der Spaß das Geld wert wäre verflogen sofort, als nach 5-6 mal durchdrehen des Propellers von Hand der Motor der elektrischen Zündung gehorchte und ansprang. Wir rollten zum Haltepunkt, zwei weiteren Flugzeugen hinterher, die ebenfalls zu Rundflügen starten wollten. Dann kam der Start! Ruhiger, als ich es wegen der augenscheinlich unebenen Piste angenommen hatte, rollten und beschleunigten wir auf dem Gras. Nach dem Abheben und in etwa 40 m Höhe ging der Pilot direkt in einen Messerflug über…das erste Highlight dieses Fluges! Wir waren immerhin über die Lautsprecheranlage angekündigt worden, wie ich später erfuhr. Erstaunt war ich, wie komfortabel und gemütlich es in der offenen Kabine ist. Kein störender Fahrtwind oder ohrenbetäubender Lärm. Wie zuvor mit dem Piloten abgesprochen drehten wir dann in Richtung Nordosten ein, um meine derzeitige Heimatstadt, ein schnuckeliges Bergdörfchen, aus der Vogelperspektive zu erkunden.

Aus dieser überhöhten Ansicht waren unterwegs auch die vielen Lücken, welche "Kyrill" im Januar gerissen hatte, zu erkennen.Doch meine eigentliche Wahrnehmung galt fast gänzlich dem Genuss dieses Fluges.Sitzgefühl, der Geruch nach Öl, laufendem Motor und frischer Luft vermengten sich zu einem unschlagbaren Aroma. Die geschätzten 5 min bis zu "meinem" Dörfchen waren schnell verflogen, und so umrundeten wir es 3mal. Auf dem Rückweg fragte ich vorsichtig nach, ob denn wohl eine Rolle drin wäre, auch wenn ich nur "normal" gebucht hätte.Kein Problem hieß es, ich solle nur meine Kamera gut festhalten und die Schultergurte nachziehen. Beides war schnell erledigt, und so gingen wir anschließend in einen forschen Sinkflug über, um Fahrt aufzubauen.

Dann folgte ein Steigflug mit etwa 30° und einer gefühlvollen, aber zügig geflogenen Rolle im Uhrzeigersinn. Schon dieses Manöver jagte Unmengen von Glückshormonen durch mei-nen Körper. Der Pilot schien dies mitbekommen zu haben und meinte nochmals, ich solle meine Kamera gut festhalten.Anschließend flogen wir zwei Loopings, eine kubanische Acht, weitere zwei Rollen und ei-nen Turn. Weil es mir schwerfällt, die Eindrücke in epischer Breite treffend zu formulieren hier in aller Kürze: Schwerelosigkeit! Atemberaubend schön! Tief empfundene Freude! Der Wald, erst unter einem, dann verjagt vom Blau des Septemberhimmels und anschließend wieder vom satten Grün der Bäume verdrängt…für mich war Weihnachten, Ostern und Geburtstag gleichzeitig.

Mit fortschreitender Flugzeit kamen wir allerdings auch der Landung immer näher. Vom langen Endanflug aus war der Flugplatz, noch etwas in Rauch einer vorangegangen Vorführung gehüllt, zu erkennen.Völlig sanft und gemächlich schwebten wir ein. Der Kontakt mit der Erde kam dann butter-weich - ganz einfach eine perfekte Landung. Wir rollten weiter bis zur Parkposition, verfolgt von den Blicken der Zuschauer der Veranstaltung.

Ob es nun an dem Flugzeug lag oder weil ich so ein fettes Grinsen im Gesicht hatte, kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls stellte dieser Rundflug die Verwirklichung eines seit etwa 8 Jahren vernachlässigten Wunsches dar.

Die Viertelstunde ging viel zu schnell zu Ende, so dass ich fast sicher bin, dass es nicht der letzte (Mit-)Flug gewesen ist. Und weitere Träume warten auch noch auf ihre Erfüllung. Der Mitflug in einer T-6 zum Beispiel wäre einer davon :-)

(Alle Fotos von Johannes Kleine)

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