Remos
G3
Ein ultraleichtes Flugerlebnis
Arend
Dechow vom Segelflug-Verein
Mönchengladbach-Wanlo mailte mich vor kurzem
an und hat mich kurzerhand zu einem Flug in seinem
Remos G3 UL eingeladen mit dem ich schon 2006
einen schönen Fotoflug um mein "Wohn- zimmer"
herum, machen durfte.
Also
wurden diverse Video- und Foto Cams eingepackt und
nach Kückhoven
zum dortigen
UL Fluggelände gefahren wo ich Arend dabei antraf,
wie
er gerade ein C42 UL aus der Halle rollte um seine
Remos G3 von
der Hallendecke herunterzulassen zu können.
"Die
Kameras brauchst Du heute nicht", sagte er, "ich hatte
eigentlich vor, Dir eine kleine Einweisung auf der
G3 zu geben, aber wenn Du lieber fotografieren willst,
bitte! Das kannst Du natürlich gerne tun. Die Entscheidung
liegt bei Dir"
Meine
Kameras waren ratz-fatz wieder im Wagen verstaut!!!!
Es machte sich allerdings ein seltsames Gefühl in
der Magengegend breit, als Arend überflüssigerweise
noch ankündigte, dass er später noch ein paar Platzrunden
und Landungen fliegen möchte..........mit mir am Knüppel!!
Ich
erhielt also eine detaillierte Einweisung in die Technik
des ULs, die verschiedenen Fluggeschwindigkeiten bei
entsprechender Klappenstellung. Diverse Instrumente
kannte ich bereits aus meinen Simulator-"Flügen" aber
2-3 spezielle Anzeigen der G3 musste man mir doch
erklären während der 80 PS Rotax 4 Zylinder langsam
seine Betriebstemperatur erreichte. Man mag Flugsimulatoren
vielleicht etwas belächeln, aber die etwa 56234 Flugstunden
am heimischen PC erwiesen sich als überaus nützlich!
Außerdem war da ja noch der
Harvard Flug mit Georg , dessen Einzelheiten ich
mir jetzt wieder in Erinnerung rief um mich in der
G3 nicht ganz so ungeschickt anzustellen.
Die
Gewichte und Leistungen der beiden Maschinen können
jedoch unter- schiedlicher
nicht sein! Das max. Abfluggewicht der
Harvard beträgt etwa 2500kg oder noch deutlicher
2,5 Tonnen! Die
Remos G3 hingegen wiegt voll beladen nur etwa
470 kg!! Die T6 holt satte 550 PS aus ihrem 9 Zylinder
Pratt & Whitney.
Der Rotax 4 Zylinder Boxer der G3 leistet dagegen
"lediglich" 80 PS. Das sind jedoch 25 PS mehr als
mein Zweitwagen, ein Nissan Micra, auf die Straße
bringt und dieser wiegt immerhin fast 1000kg! 530
kg mehr als eine vollbeladene G3! Dazu ist die Remos
für ein Lastenviel- faches von +4g / -2g ausgelegt,
die Harvard für + 5,8g / -2,4g.
Das
nur als Zahlenspielerei am Rande! Ein direkter Vergleich
zwischen diesen beiden Maschinen ist natürlich absoluter
Nonsens!
Der
Konstrukteur der Remos G3 ist übrigens Lorenz
Kreitmayr, welcher seit seiner Kindheit an dern
Rollstuhl gefesselt ist. Sein Flugzeug, die G3, hat
er nie selbst geflogen.
Zuerst
durfte ich die G3 zum Start "16" rollen
während uns alles mögliche Getier vor den Flieger
hoppelte. Darunter ein paar Feldhasen, Tauben, Fasane
und andere undefinierbare Viecher. Arend murmelte
irgendetwas wie: "Tauben....Propeller.....ist hier
aber noch nie passiert......." usw. Bei diesem Satz
wurde das UL für mich plötzlich noch leichter und
zerbrechlicher als es ohnehin schon wirkte!
Die
Tauben und Fasane auf der Piste vor uns schienen keine
besondere Notiz von uns zu nehmen als wir am Start
standen und Arend den Gashebel nach vorne schob. Erst
bei einem bestimmten (sehr kurzen) Abstand zur Maschine
hoben die Vögel ab und flogen nach rechts und links
davon um sich sicher hinter uns, völlig unbeeindruckt
von dem UL, welches gerade mit etwa 100 km/h an ihnen
vorbeigerast war, wieder auf der grünen
Kückhovener Grasbahn breit zu machen um den nächsten
Piloten zu nerven!
Kurz
nach dem Start sollte ich "mitfühlen", d.h. Arend
flog ein paar Kurven und ich durfte, die Hand locker
am Knüppel und die Füße ebenso locker in den Pedalen,
die Ruderausschläge "mitfliegen". Bis es dann irgendwann
hieß: "Dann mach mal!" Arend nahm für die nächsten
Minuten die rechte Hand nicht ganz vom Knüppel und
auch die Füße blieben lose in den Pedalen, doch als
ich mich auf meinem rechten Sitzplatz an die Steuerdrücke
gewöhnt und relativ sicher ein paar Kursänderungen
vollzogen hatte, nahm er die Hand vom Knüppel und
legte sie entspannt auf seine Knie. Danach erhielt
ich noch ein paar interessante Tipps und Hinweise
über Navigation, Horizontlinie, Navigationspunkte,
Kurs und Höhe halten ....
Wir
flogen in etwa 2000 Fuß und angezeigten 140 km/h aber
etwa 165 km/h Groundspeed (also ca. 25km/h Rückenwind)
über den Tagebau
der Rhein-Braun mit seinen gigantischen Baggern,
am Rande der Stadt Düren entlang, um in Richtung der
Ausläufer der Eifel bis auf 3000 Fuß (ca 900m) zu
steigen, welche wir bis zum Rurstausee
hielten, über den wir einen schönen gemütlichen
Vollkreis zogen. Auf dem Rückflug kreuzten wir die
A4, die A44, ließen die A61 rechts von uns und
streiften den Rand des Sperrgebietes des Fliegerhorstes
Nörvenich um dann wieder entlang des Rhein-Braun
Tagebaus in Richtung Flugplatz Kückhoven zu fliegen.
Zwischendurch
demonstrierte Arend die Gutmütigkeit der Remos G3
indem er sie bis an die Stall-Grenze
flog. Er nahm das Gas raus, stellte die Maschine um
einige Grad an und verringerte dadurch rapide die
Geschwindigkeit. Ein kurzes, kaum merkliches Schütteln!
Kein plötzliches Abschmieren über eine Fläche oder
sonstige Zicken!! Nur ein sanftes Absacken! Kurz nachgedrückt,
etwas Gas und die Strömung lag wieder an. Er wiederholte
das Ganze ein weiteres Mal und wieder ließ sich die
G3 problemlos abfangen!
Vor
dem Anflug auf Kückhoven, schauten wir noch kurz bei
den Wanloer Segelfliegern vorbei. Mitten auf dem Platz
stand ein Kite-Border,
welcher seinen Schirm allerdings schon zusammengefaltet
hatte. Vor den Hallen saß ein einsamer Segelflieger
und winkte zu uns herauf. Arend wackelte ebenfalls
zum Gruß mit den Flächen........man kennt sich eben..........
Wir
näherten uns nun wieder dem Kückhovener UL Fluggelände
und Arend leitete die erste Landung ein. Im Gegenanflug
wurde die Geschwindigkeit auf 100 -110 km/h reduziert
und die Klappen auf Stufe 2 gesetzt. Queranflug.....Endteil....bei
einem leichten Crosswind der mit fast 90° zur Piste
stand! Gegenhalten.....Gas raus....gerade legen.....und
die G3 setzte fast von ganz alleine auf!!
So einfach sah das Ganze aus der
Mitfliegerperspektive aus!
Doch
nun sollte ICH das Ganze wiederholen! Arend gab Gas
und startete durch. Ich übernahm kurz nach dem Start
in 300ft (ca 90m) in der Platzrunde die Ruder. Arend
fühlte mit um notfalls eingreifen zu können und hatte
außerdem die Kontrolle über Gas und Klappen! Ich sollte
"lediglich" die G3 auf die Bahn ausrichten... ......bei
etwa 25km/h bzw. 13kn Crosswind! Und das als blutiger
Anfänger! Suuuper!
Beim
ersten Anflug war ich etwas zu weit rechts von der
Bahn, konnte es aber relativ gut (dachte ich) durch
Gegenhalten ausgleichen, bis Arend kurz vor dem Aufsetzen
übernahm und landete, Vollgas gab und durchstartete!
Das war wohl nicht das Gelbe vom Ei!
Der
zweite Anflug saß schon besser! Immer die 100 Km/h
Mindestgeschwin
- digkeit im Auge, visierte ich die Kückhofener "16"
an und versuchte gleichzeitig den Crosswind durch
Gegenhalten im Seitenruder auszugleichen. Fast perfekt!
Arend startete nochmals durch und ließ mich eine weitere
Platzrunde drehen. Diesmal klappte der Anflug nahezu
perfekt. Arend meinte zwar, ich hätte den Knüppel
noch etwas ruhiger halten können aber die Piste hatte
ich dennoch sauber getroffen. Die Übung macht's eben....
..........irgendwann!
Während
wir ein letztes Mal in die Platzrunde durchstarteten,
wischte ich mir die doch etwas feuchte rechte "Knüppel"
Hand am Hosenbein ab was Arend natürlich prompt mit
einem entsprechend humorvollen Spruch kommentierte.
Ich konnte es ihm noch nicht mal übel nehmen. Im Gegenteil!
Denn so hochkonzentriert, wie in den letzten 10-15
Minuten, war ich schon lange nicht mehr. Dann dürfen
die Hände schon mal etwas schwitzig werden ;-)
Letztlich
war es ein schöner ruhiger Flug von etwa 1h:15min
Dauer, mit leichten, nicht erwähnenswerten Turbulenzen
bei bestem Wetter aber nicht gerade berauschender
Fernsicht. Sogar Thermik (bis 2m Steigen) gab es stellenweise
während des Rückfluges von den Ruhrstauseen trotz
der dort auf etwa 1,5m sek "Sinken" getrimmten Maschine!
Ich
durfte die Remos G3 ca. eine Stunde mit kleinen Unterbrechungen
fliegen. Um
einige Erfahrungen reicher stieg ich in Kückhoven
aus dieser Remos G3 aus und dankte einem erfahrenen
Piloten für ein Flugerlebnis der ultraleichten Art!
Denn dieses Vergnügen hat nunmal nicht jeder flugbegeisterte
"Simulator Fan".
Herzlichen
Dank Arend für diesen Flug und Dein Vertrauen
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