Biplanes.de Fly-In
  Home | News | Airshow-Berichte | Bildserien | Best Of | Airshow-Kalender | Links | Kontakt | Impressum
 

Airshows 2006

 

Boeing Stearman flight

Samstag, der 30. August 2008. Nach den guten Erfahrungen des Vorjahres zog es mich wieder zum Flugplatzfest des LSC Oeventrop. Angekündigt wurden zum dortigen Flugplatzfest auch mehrere Doppeldecker. Das Flugerlebnis mit der Stampe im letzten Jahr wollte ich gerne wiederholen.

Das Wetter war blendend. Bei nahezu wolkenlosem Himmel und 26° C Lufttem - peratur gab´s wirklich keinen Grund zur Klage. An diesem Samstagmittag war der Zuschauerstrom noch sehr überschaubar, vereinzelte Trüppchen von Menschen schlenderten über den Platz, zwischen Getränkestand und Bratwurstbude. Ein ortsansässiger Flieger des Segelflugvereins erkannte mich und lud mich ein, bei dem in Kürze stattfindenden Briefing der Piloten dabei zu sein. Dort angekommen fand ich schnell heraus, zu welchem der Herren die leuchtend gelbe Boeing Stearman (N2S-3, N746BJ) gehört, die sofort beim Betreten des Platzes meine Aufmerksamkeit geweckt hatte.

Nach der Besprechung fing ich den hochgewachsenen Mann ab und fragte, ob er der Pilot der Stearman sei und ob es möglich wäre einen Rundflug zu machen. Auf beide Fragen kam ein "Ja", allerdings wolle er keine kurzen Rundflüge machen. Der Motor sei neu, habe bisher nur wenige Stunden gelaufen und solle deshalb geschont werden. Natürlich hatte ich einer solchen Begründung nichts entgegenzusetzen, allerdings fehlte mir spontan das nötige Kleingeld für eine halbe Stunde Rundflug. An meinem vermutlich sehr enttäuschten Gesichtsausdruck muss der Pilot, im Übrigen Klaus Busch aus Oldenburg, aber erkannt haben, dass mir mit seiner "Absage" nicht geholfen war. Er kam noch mal auf mich zu und sagte, er sei später bereits für ein bis zwei Rundflüge gebucht, dann müsse er zum nahegelegenen Flugplatz in Meschede fliegen, um dort zu tanken. Für den Weg wolle er mich gerne mitnehmen. Na, das war doch ein Wort!

Wir verabredeten uns für etwa 2 Stunden später, ich sollte einfach in der Nähe der Stearman bleiben. Doch dann kann alles anders…

Die Rundflüge waren erledigt, das normale Programm des Festes nahm seinen Lauf. Auch die Stearman war zur Präsentation eingeplant. Der Pilot sprach mich an, wir könnten etwa eine Viertelstunde fliegen, eine kleine Runde in der Umgebung des Platzes und zwei Überflüge als Teil des Programms. Mehr als damit einverstanden nickte ich und ging erleichtert auf den Doppeldecker zu. Die Prozedur des Einsteigens war kein Problem. Die Stearman ist allerdings "eine Nummer größer" als die mir aus dem letzten Jahr bekannte Stampe. Alles wirkt robuster, kräftiger, kraftvoller. Mit dem Zweck der Stearman im Hinterkopf ist diese Bauweise nur zu verständlich.

Schon beim ersten Blick auf den Doppeldecker fiel mir der tadellose Zustand auf. Kein Wunder, schließlich war die Stearman erst vor 2 Jahren komplett restauriert worden. Auch das Cockpit war in einem makellosen Zustand, spartanisch instrumentiert aber doch mit allem versehen, was nötig ist. Nun also hinein, über die untere Fläche, am Cockpitrand festhaltend suchte ich weiteren Halt mit einer Hand an den dafür vorgesehenen Griffen im Mittelstück der oberen Tragfläche. Dort fest zugepackt und mit beiden Beinen im Cockpit stehend sank ich in den Rumpf der Stearman auf den Sitz. Der Duft nach Lack, Öl, Benzin und dem unverwechselbaren Flugzeugaroma nahm mich auf. Toll!

Die übliche Lederhaube mit Headset war schnell angelegt, dicke Gurte zog ich fest an, unterstützt von der Frau des Piloten. Nun waren wir bereit!

Der Sternmotor wurde angelassen, sehr viel ruhiger als ich mir vorgestellt hatte. Die Intensität des Duftes nach einem grandiosen Flugabenteuer nahm deutlich zu. Wir rollten zur Startbahn und nach ein wenig Zeit des Warmlaufens ging es auch schon zum Startlauf. Ich war wirklich überrascht, wie friedlich, fast schnurrend die 220 PS am vorderen Ende des Rumpfes arbeiteten. Zwar vibrierte die Zelle merklich und die Graspiste trug zum holprigen Rollen bei. Einmal in der Luft, sich sanft vom Boden lösend, erfüllte geschützt hinter der Cockpitscheibe sitzend nur das regelmäßige Geräusch des Motors die Welt um mich herum. Eingerahmt von zwei leuchten gelben Tragflächen zogen grüne Wiesen, ackerbraune Flächen, Kühe, Schienen, Windräder und Straßen unter uns vorbei. Ein traumhafter Anblick, wie sich die von der kräftig strahlenden Sonne beschienene Erde unter uns ausbreitet, überspannt von einem strahlend stahlblauen Himmel. Warme Sommerluft umströmte uns, ein Duft von Heu, Gras, Wind und - Freiheit.

Einzig die Kommunikation an Bord war gewöhnungsbedürftig. Obwohl das Mikro vor Windgeräuschen geschützt in einem Lederbeutelchen eingepackt war, musste ich die Hand während des Sprechens davor halten und recht laut rufen. Nach einer kurzen Schleife ging es wie verabredet zurück zum Platz. Es folgte ein sauberer Überflug über den Platz, anschließend ein Steigflug um etwas Höhe zu gewinnen. Von diesem Überflug fand ich später, dem Zufall sei Dank, sogar ein Foto auf einer Website für Hobbyfotografen (Vielen Dank an dieser Stelle an Thorsten Maas!). Eigentlich sollte dann der zweite Überflug folgen, doch waren bereits Gleitschirmflieger gestartet, die nun während ihrer Vorführung nicht von einem großen Doppeldecker gestört werden sollten. Somit "mussten" wir uns etwas abseits des Platzes die Zeit vertreiben. Aus dem Headset hörte ich die Frage, wo ich denn wohnen würde. Mein Heimatdorf lag nur gute 5 min Flugzeit entfernt. Also ging es mit Kurs Nordost über den Arnsberger Wald weiter.

Linker Hand lag der Möhnesee, gleißende Strahlen glitzerndes Sonnenlicht reflektierend. Langsam wurden die Konturen des Dörfchens schärfer, einzelne bekannte Häuser und Straßen, den Kirchturm, erkannte ich. Wir umrundeten Hirschberg 3-mal und machten uns gemütlich auf den Rückweg. Dabei ist mit gemütlich die volle Bedeutung des Wortes gemeint. Wir reihten uns anschließend recht zügig in die Platzrunde ein, die Landung war für den erfahrenen Mann im Cockpit hinter mir ein beinahe Kinderspiel und ausgesprochen sanft.

Viel zu schnell ging die Zeit an Bord dieses Oldtimers zu Ende, ich wäre gerne für Stunden sitzen geblieben. Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Gespräch mit dem Piloten und seiner Frau im Anschluss an den Flug. Beide steckten voller Energie und Kraft für die Fliegerei. Ernstgemeinte Solidarität unter Fliegern kam hierbei zum Ausdruck, wenn beide von gemeinsamen Flügen mit anderen Fliegerkollegen erzählten. Als weiteres Schmankerl machte ich nach dem Flug auch noch Bekanntschaft mit der örtlichen Lokalpresse, welche die Stearman, den Piloten und mich "interviewten" und fotografierten. In der kommenden Montagsausgabe erschien daraufhin der Bericht.

Das eingangs erwähnte gesetzte Ziel hatte ich mehr als erreicht, das Flugerlebnis wird mir unauslöschlich in Erinnerung bleiben....

 


Suche
Flugzeug-Index