Samstag,
der 30. August 2008. Nach den guten Erfahrungen
des Vorjahres zog es mich wieder zum Flugplatzfest
des LSC Oeventrop. Angekündigt wurden zum dortigen
Flugplatzfest auch mehrere Doppeldecker. Das Flugerlebnis
mit der Stampe
im letzten Jahr wollte ich gerne wiederholen.
Das
Wetter war blendend. Bei nahezu wolkenlosem Himmel
und 26° C Lufttem - peratur gab´s wirklich keinen
Grund zur Klage. An diesem Samstagmittag war der
Zuschauerstrom noch sehr überschaubar, vereinzelte
Trüppchen von Menschen schlenderten über den Platz,
zwischen Getränkestand und Bratwurstbude. Ein ortsansässiger
Flieger des Segelflugvereins erkannte mich und lud
mich ein, bei dem in Kürze stattfindenden Briefing
der Piloten dabei zu sein. Dort angekommen fand
ich schnell heraus, zu welchem der Herren die leuchtend
gelbe Boeing Stearman (N2S-3, N746BJ)
gehört, die sofort beim Betreten des Platzes meine
Aufmerksamkeit geweckt hatte.
Nach
der Besprechung fing ich den hochgewachsenen Mann
ab und fragte, ob er der Pilot der Stearman sei
und ob es möglich wäre einen Rundflug zu machen.
Auf beide Fragen kam ein "Ja", allerdings wolle
er keine kurzen Rundflüge machen. Der Motor sei
neu, habe bisher nur wenige Stunden gelaufen und
solle deshalb geschont werden. Natürlich hatte ich
einer solchen Begründung nichts entgegenzusetzen,
allerdings fehlte mir spontan das nötige Kleingeld
für eine halbe Stunde
Rundflug. An meinem vermutlich sehr enttäuschten
Gesichtsausdruck muss der Pilot, im Übrigen Klaus
Busch aus Oldenburg, aber erkannt haben, dass mir
mit seiner "Absage" nicht geholfen war. Er kam noch
mal auf mich zu und sagte, er sei später bereits
für ein bis zwei Rundflüge gebucht, dann müsse er
zum nahegelegenen Flugplatz in Meschede fliegen,
um dort zu tanken. Für den Weg wolle er mich gerne
mitnehmen. Na, das war doch ein Wort!
Wir
verabredeten uns für etwa 2 Stunden später, ich
sollte einfach in der Nähe der Stearman bleiben.
Doch dann kann alles anders…
Die
Rundflüge waren erledigt, das normale Programm des
Festes nahm seinen Lauf. Auch die Stearman war zur
Präsentation eingeplant. Der Pilot sprach mich an,
wir könnten etwa eine Viertelstunde fliegen, eine
kleine Runde in der Umgebung des Platzes und zwei
Überflüge als Teil des Programms. Mehr als damit
einverstanden nickte ich und ging erleichtert auf
den Doppeldecker zu. Die Prozedur des Einsteigens
war kein Problem. Die Stearman ist allerdings "eine
Nummer größer" als die mir aus dem letzten Jahr
bekannte Stampe. Alles wirkt robuster, kräftiger,
kraftvoller. Mit dem Zweck der Stearman im Hinterkopf
ist diese Bauweise nur zu verständlich.
Schon beim ersten Blick auf den Doppeldecker fiel
mir der tadellose Zustand auf. Kein Wunder, schließlich
war die Stearman erst vor 2 Jahren komplett restauriert
worden. Auch das Cockpit war in einem makellosen
Zustand, spartanisch instrumentiert aber doch mit
allem versehen, was nötig ist. Nun also hinein,
über die untere Fläche, am Cockpitrand festhaltend
suchte ich weiteren Halt mit einer Hand an den dafür
vorgesehenen Griffen im Mittelstück der oberen Tragfläche.
Dort fest zugepackt und mit beiden Beinen im Cockpit
stehend sank ich in den Rumpf der Stearman auf den
Sitz. Der Duft nach Lack, Öl, Benzin und dem unverwechselbaren
Flugzeugaroma nahm mich auf. Toll!
Die
übliche Lederhaube mit Headset war schnell angelegt,
dicke Gurte zog ich fest an, unterstützt von der
Frau des Piloten. Nun waren wir bereit!
Der
Sternmotor wurde angelassen, sehr viel ruhiger als
ich mir vorgestellt hatte. Die Intensität des Duftes
nach einem grandiosen Flugabenteuer nahm deutlich
zu. Wir rollten zur Startbahn und nach ein wenig
Zeit des Warmlaufens ging es auch schon zum Startlauf.
Ich war wirklich überrascht, wie friedlich, fast
schnurrend die 220 PS am vorderen Ende des Rumpfes
arbeiteten. Zwar vibrierte die Zelle merklich und
die Graspiste trug zum holprigen Rollen bei. Einmal
in der Luft, sich sanft vom Boden lösend, erfüllte
geschützt hinter der Cockpitscheibe sitzend nur
das regelmäßige Geräusch des Motors die Welt um
mich herum.
Eingerahmt
von zwei leuchten gelben Tragflächen zogen grüne
Wiesen, ackerbraune Flächen, Kühe, Schienen, Windräder
und Straßen unter uns vorbei. Ein traumhafter Anblick,
wie sich die von der kräftig strahlenden Sonne beschienene
Erde unter uns ausbreitet, überspannt von einem
strahlend stahlblauen Himmel. Warme Sommerluft umströmte
uns, ein Duft von Heu, Gras, Wind und - Freiheit.
Einzig
die Kommunikation an Bord war gewöhnungsbedürftig.
Obwohl das Mikro vor Windgeräuschen geschützt in
einem Lederbeutelchen eingepackt war, musste ich
die Hand während des Sprechens davor halten und
recht laut rufen. Nach einer kurzen Schleife ging
es wie verabredet zurück zum Platz. Es folgte ein
sauberer Überflug über den Platz, anschließend ein
Steigflug um etwas Höhe zu gewinnen. Von diesem
Überflug fand ich später, dem Zufall sei Dank, sogar
ein Foto auf einer Website für Hobbyfotografen (Vielen
Dank an dieser Stelle an Thorsten Maas!).
Eigentlich
sollte dann der zweite Überflug folgen, doch waren
bereits Gleitschirmflieger gestartet, die nun während
ihrer Vorführung nicht von einem großen Doppeldecker
gestört werden sollten. Somit "mussten" wir uns
etwas abseits des Platzes die Zeit vertreiben. Aus
dem Headset hörte ich die Frage, wo ich denn wohnen
würde. Mein Heimatdorf lag nur gute 5 min Flugzeit
entfernt. Also ging es mit Kurs Nordost über den
Arnsberger Wald weiter.
Linker
Hand lag der Möhnesee, gleißende Strahlen
glitzerndes Sonnenlicht reflektierend. Langsam wurden
die Konturen des Dörfchens schärfer, einzelne bekannte
Häuser und Straßen, den Kirchturm, erkannte ich.
Wir umrundeten Hirschberg 3-mal und machten uns
gemütlich auf den Rückweg. Dabei ist mit gemütlich
die volle Bedeutung des Wortes gemeint. Wir reihten
uns anschließend recht zügig in die Platzrunde ein,
die Landung war für den erfahrenen Mann im Cockpit
hinter mir ein beinahe Kinderspiel und ausgesprochen
sanft.
Viel
zu schnell ging die Zeit an Bord dieses Oldtimers
zu Ende, ich wäre gerne für Stunden sitzen geblieben.
Nicht
unerwähnt lassen möchte ich das Gespräch mit dem
Piloten und seiner Frau im Anschluss an den Flug.
Beide steckten voller Energie und Kraft für die
Fliegerei. Ernstgemeinte Solidarität unter Fliegern
kam hierbei zum Ausdruck, wenn beide von gemeinsamen
Flügen mit anderen Fliegerkollegen erzählten. Als
weiteres Schmankerl machte ich nach dem Flug auch
noch Bekanntschaft mit der örtlichen Lokalpresse,
welche die Stearman, den Piloten und mich "interviewten"
und fotografierten. In der kommenden Montagsausgabe
erschien daraufhin der Bericht.
Das
eingangs erwähnte gesetzte Ziel hatte ich mehr als
erreicht, das Flugerlebnis wird mir unauslöschlich
in Erinnerung bleiben....